Historie

Vom „Steynen Huys“ am Weyertor zum Brauhaus – über 600 Jahre Kölner Stadtgeschichte an einer Adresse.

Ein Haus mit Vorgeschichte

Die Geschichte des Gebäudes reicht bis ins Mittelalter zurück. Zwischen 1343 und 1451 ist an dieser Stelle ein steinernes Haus – ein „Steynen Huys“ – neben dem Zollhaus am Weyertor urkundlich erwähnt. In der Franzosenzeit erhielt es 1797 mit der Nummer 6377 seine erste Hausnummer. Ab 1813 ist an der Adresse erstmals ein gastronomischer Betrieb nachweisbar; damals lautete sie Weyerstraße 90, seit 1893 Weyerstraße 96.

Die Familie Töller

1864 erwarb Peter Töller das Haus und ließ es umbauen: Der Giebel wurde versetzt, das Gebäude aufgestockt. Sein Sohn Theodor Töller gründete 1871 die „Brauerei Töller“. Der Braubetrieb hielt sich zehn Jahre – 1881 wurde er eingestellt und das Haus zur reinen Gastwirtschaft. 1912 zog sich Theodor Töller zurück; zum 1. Mai übernahm Peter Esser. Seit 2003 führt Henning Heuser das Haus.

Der „reinliche Dores“

Theodor Töller (1854–1926) gilt bis heute als kölsches Original. Legendär war seine Ordnungsliebe: Stets mit einem „Plaggen“ – einem Wischlappen – ausgerüstet, rückte er Stühle zurecht und legte die Zeitungen nach festem System aus. Gegen die aufkommende Zigarette wehrte er sich lange, weil sie ihm zu viel Unreinlichkeit brachte. Die Kölner nannten ihn den „reinlichen Dores“.

Ein Wirtshaus, das die Zeit überstand

Als die Kölner Innenstadt 1945 zu über 90 Prozent zerstört war, gehörte das Haus Töller zu den wenigen unbeschädigten Gebäuden. So blieb erhalten, was anderswo verloren ging: der traditionelle Grundriss einer kölschen Hausbrauerei mit dem Hausflur als Schankraum – dem „Zappes“ –, die Gaststube mit ihrer hölzernen Kassettendecke und der rückwärtige Saal, 1915 angebaut.

Das erkerförmig in den Schankraum gewölbte „Thekenschaaf“, im Volksmund auch „Beichtstuhl“ genannt, ist eine der letzten Einrichtungen dieser Art in Köln, die noch ihre ursprüngliche Funktion erfüllt. Die Möbel stammen aus der Zeit ab 1871 und wurden seither repariert, aber nicht ersetzt. Ein modernes Zapfsystem gibt es nicht: Das Kölsch kommt direkt aus dem hölzernen Fass. Spielautomat, Fernseher und Musikanlage sucht man vergebens – das ist Absicht. Seit 2007 liefert die Brauerei Päffgen das Kölsch.

Zu Gast bei Töller

Seit den 1930er-Jahren führt das Haus ein Gästebuch. Eingetragen haben sich unter anderem Konrad Adenauer, Heinrich Lübke, Joseph Beuys, Rainer Werner Fassbinder, James Last und Berti Vogts – neben vielen anderen, die hier einfach ein Kölsch getrunken haben.

Auf einen Blick

  • Um 1343–1451 – „Steynen Huys“ neben dem Zollhaus am Weyertor
  • 1813 – erstmals Gastwirtschaft nachweisbar
  • 1864 – Peter Töller erwirbt und erweitert das Haus
  • 1871 – Theodor Töller gründet die Brauerei Töller
  • 1881 – Ende des Braubetriebs, reine Gastwirtschaft
  • 1915 – Anbau des rückwärtigen Saals
  • 1945 – eines der wenigen unzerstörten Häuser der Innenstadt
  • 2003 – Henning Heuser übernimmt das Haus
  • seit 2007 – Päffgen Kölsch, gezapft vom Holzfass

Ausführlich zur Baugeschichte, zum Thekenschaaf und zur Familie Töller: der Artikel Haus Töller in der Wikipedia. Wie Journalistinnen und Reiseführer das Haus beschreiben, steht bei den Pressestimmen über das Haus Töller.